Ernst Moll
Moll, Ernst

Pfarrer in der Christengemeinschaft, Sprachforscher.

*24.04.1897 Freiburg/Br. (Deutschland)
†04.07.1962 Erfurt (Deutschland)



Ernst Moll, eine markante Persönlichkeit voll feuriger Begeisterung für das Wesen der Sprache wie für die „ Philosophie der Freiheit“ (GA 4), stellte all seine Kraft für die Gründung und Ausbreitung der Christengemeinschaft zur Verfügung. Wo er auftauchte, geschah etwas.

Er wurde in Freiburg im Breisgau geboren. Der Vater hatte sich vom wandernden Schreinergesellen zum Mitinhaber der führenden Möbelfabrik emporgearbeitet, seine Mutter stammte aus St. Gallen. Im Elternhaus lebte Offenheit für alles Große und Echte, für Redlichkeit und Wahrhaftigkeit. Darin fühlte Ernst Moll sich wohl. In der Kindheit schon liebte er das Elsass, die Spuren des alten Keltentums; hatte er Eindrücke von Klängen und Worten, die wie aus Wolken und Luft zu sprechen schienen, sprach er lieber französisch als deutsch. Um das 14. Lebensjahr ergriff ihn etwas wie eine starke Erinnerung an das alte Römertum. Oft packte er sich einen schweren Rucksack und marschierte auf der Landstraße stundenlang nach Westen und wieder zurück. Mit 15 Jahren wanderte er gegen den Willen des Vaters ohne Geld und Wanderkarte mit traumwandlerischer Sicherheit über die Alpen, den Julier- und Septimerpass, bis nach Rom. „Ich habe Beine, die gehen mir bis an den Hals!“, sagte er später von sich. Im Ersten Weltkrieg tauchte er an der Ostfront so tief in die russische Sprache und Seelenart ein, dass er in den Stunden seines Sterbens russisch redete.

Kurz nach dem Krieg lernte er die Anthroposophie kennen und begegnete Rudolf Steiner, der ihm riet, sich mit Astronomie zu befassen. Zunächst aber setzte er sich im Lörracher Raum energisch für die Dreigliederungsbewegung ein und beteiligte sich bei einem Wandertheater. Im November 1920 wurde er Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft, er erlebte bis in die Wesenstiefen erschüttert den Brand des ersten Goetheanum und nahm an der Weihnachtstagung 1922/23 teil. Am 6. April 1924 wurde er zum Priester der Christengemeinschaft geweiht, entscheidend unterstützt durch Rudolf Steiner. – 1928 besuchte er Edouard Schuré, wenige Monate vor dessen Tod. Zunächst arbeitete er als Pfarrer in Lörrach, später von Erfurt aus in Thüringen. Der hoch gewachsene, knorrige Alemanne fühlte sich dort erst richtig am Platze, als er sich mit Novalis verbinden konnte. Für die Thüringer Gemeinden initiierte er jährliche Feste der Begegnung, die sein Humor durchwärmte und durchsprühte, und war Mitbegründer eines Altersheims in Sonneberg.

In der Mitte seiner eigenen geistigen Arbeit lebte die „Philosophie der Freiheit“, über die er sprach, sooft er konnte, und die Liebe zur Sprache. Alles, was Rudolf Steiner zur Sprache ausgeführt hat, angefangen von der menschlichen Fähigkeit des Sprechens über die Herkunft der Sprache, die Ursprache und ihre Weiterbildungen, sprachwissenschaftliche Erörterungen bis zur Charakterisierung der einzelnen Laute für Eurythmie und Sprachgestaltung, nahm er intensiv auf und fügte es durch eigene Arbeit zu einem Gesamtbild zusammen. In seiner Schrift „Die Sprache der Laute“ legte er die Ergebnisse seiner Forschungen vor. Auf der Grundlage der vier wichtigsten europäischen Alphabete – dem griechisch-hebräischen, gotisch-germanischen, bulgarisch-kirchenslawischen und irisch-keltischen – arbeitete er sich zu den Bildern und zum Wesen der Laute hin, immer auf der Suche nach ihrer geistigen, kosmischen Herkunft und Kraft. Wer nur von etymologischer Wissenschaft her auf diese Arbeit schaut, wird manches Irrtümliche finden, wer sich auf seinen Ansatz einlässt, unendliche Anregung und Bereicherung erfahren.

Eine äußerst schmerzhafte Krebserkrankung warf Ernst Moll nieder, er starb am 4. Juli 1962 in Erfurt. Sein großer Wunsch, unter dem „Isteiner Klotz“ nördlich von Lörrach begraben zu werden, konnte ihm erfüllt werden.

Cordelia Böttcher


Werke: Die Sprache der Laute, Freiburg/Br. 1950, Stuttgart ²1968; zahlreiche
Beiträge in CH.
Literatur: Schneider, W.: Ernst Moll, in: MaD 1962, Nr. 61; Vermehren, H.:
Letzte Erinnerung an Ernst Moll, in: MaD 1963, Nr. 64; Schöffler 1987.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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