Konradin Haußer
Haußer, Konradin
Pseudonym/Varianten: Hausser

Unternehmer, Begründer der Haußerstiftung.

*20.11.1883 Ulm (Deutschland)
†15.11.1973 Stuttgart (Deutschland)









Aufgabe der Haußerstiftung ist es, das schriftliche Werk Rudolf Steiners weltweit öffentlich zur Verfügung zu stellen. Steiners schriftlich veröffentlichtes Werk wird solchen Einrichtungen, öffentlichen Bibliotheken und Hochschulen zur Verfügung gestellt, die es ihrerseits Interessenten zugänglich machen. Ferner fördert die Stiftung die Übersetzung und Herausgabe der Bücher von Rudolf Steiner in den Ländern, in denen die Bücher bisher nicht erscheinen konnten. Schließlich ist die Förderung der Ausbildung im Sinne der Anthroposophie und ihrer vielfältigen Tochterbewegungen Anliegen der Stiftung.

Konradin Haußer wurde als viertes und letztes Kind geboren, sein Vater war Rechtsanwalt und Notar in Ulm. Früh eingeschult, empfand das manchmal verträumte Kind die harte Zucht am damaligen humanistischen Gymnasium besonders schwer.

Sein Vater bestimmte, dass er in einer Bank eine kaufmännische Lehre absolviere. Der leise Schmerz und die Wehmut darüber, dass er nicht studieren durfte, hat sein ganzes Leben begleitet, aber es hinderte ihn nicht daran, den Beruf mit ganzer Kraft zu ergreifen. Bei der ihm angeborenen Gewissenhaftigkeit wurde er ein Kaufmann und Industrieller, den Zielstrebigkeit, persönliche Anspruchslosigkeit und soziale Einstellung prägten.

Im Jahre 1903 trat der junge Kaufmann in die Kassenverwaltung der BASF in Ludwigshafen ein. 1905 arbeitete er in der Goldochsen-Brauerei seines Schwagers in Ulm und im selben Jahr absolvierte er, finanziert von seinen Ersparnissen, das „Einjährige“ bei der Feldartillerie. 1908 wurde er Leutnant der Reserve.

1913 heiratete er Helene, die Tochter des Ulmer Oberst von Heider. Die Ehe blieb kinderlos.

1914 wurde Konradin Haußer in den Stab einer Feldartillerie-Abteilung eingezogen. Es folgten vier Jahre Krieg, dessen Ende er als Hauptmann in Odessa erlebte. Mit einem gereiften und vertieften Verantwortungsgefühl für die ihm anvertrauten Menschen kehrte er aus dem Felde zurück.

Daneben lief aber noch eine ganz andere Entwicklung: Von Kind an war er von tiefer Religiosität und Heimatliebe beseelt. Im Krieg führte er Tagebuch, überwiegend über seine inneren Erlebnisse. Die Verbindung von unternehmerischer Aktivität, angeborenem Kunstsinn und ein großer Helferwille mit der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, kamen immer mehr zum Tragen.

Er arbeitete 1918/19 als Gemeindehelfer der evangelischen Kirche in Ulm, wo es in der damaligen Zeit manche Not zu lindern galt. Später zählte er diese Zeit zu den fruchtbarsten Abschnitten seines Lebens.

In diese Zeit fällt auch die Begegnung mit der Anthroposophie, die sein ganzes weiteres Leben formen sollte. Im August 1919 hörte er in Ulm Vorträge von Alfred Meebold und bereits am 2. Januar 1920 wurde er durch Carlo Septimus Picht in die Anthroposophische Gesellschaft aufgenommen. In vielen Tag- und Nachtsitzungen lernte er Rudolf Steiner kennen und verehren. Mit großer Begeisterung widmete er sich der Verwirklichung der Ideen Steiners in der Wirtschaft und wurde einer der Direktoren der 1920 gegründeten Aktiengesellschaft „Der Kommende Tag“, zusammen mit Hans Kühn und Wilhelm Trommsdorff. Das Ziel jener Gründung war unter anderem, den Ertrag der in der Aktiengesellschaft zusammengeschlossenen Unternehmen dem Geistesleben zur Verfügung zu stellen. Welch ein Schmerz mag es für Konradin Haußer gewesen sein, erkennen zu müssen, dass die Zeit dafür noch nicht reif war und auch seine Tatkraft die Auflösung des Unternehmens nicht verhindern konnte. Die Idee aber lebte in Konradin Haußer weiter.

Zunächst arbeitete er als Geschäftsführer der landwirtschaftlichen Genossenschaft Langenau. 1923 wirkte er im Dreißiger-Kreis mit und 1924 wurde er Mitorganisator des Landwirtschaftlichen Kurses (GA 327), den Rudolf Steiner auf Gut Koberwitz gab.

Durch Vermittlung von Wilhelm Fink trat Konradin Haußer 1926 als zweiter geschäftsführender Gesellschafter in die Firma Taylorix-Organisation und Verlag, Stuttgart, ein. Seine Aufgabe lag darin, Innenbetrieb, Verwaltung und Finanzen in seine Obhut zu nehmen. Hier kamen sein unternehmerisches Geschick und seine Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, sowie die ihm eigenen schwäbischen Tugenden zum Tragen. Langsam ging es mit der Firma aufwärts, sie überstand die schwierige Zeit der wirtschaftlichen Krise Anfang der 30er-Jahre, die Unruhen des „Dritten Reiches“, die Zerstörungen des Krieges und die Not der ersten Nachkriegsjahre. Elektronische Datenverarbeitung und „Haußer-Apparatebau“ erweiterten bald das Arbeitsgebiet des Unternehmens.

Bei aller äußeren Tüchtigkeit war sich Konradin Haußer aber stets bewusst, dass es des Beistands der geistigen Mächte bedarf, um in der Zukunft bestehen zu können. Aktiv arbeitete er mit, wo es nur ging, und besuchte beispielsweise bis 1936 jedes Jahr die Ostertagung am Goetheanum. Schon im Juni 1945 begann in seinem Stuttgarter Haus wieder die Zweigarbeit und bis zum Beginn seiner schweren Erkrankung kam regelmäßig ein Arbeitskreis in seinem Haus zusammen.

Voraussetzung für die Förderung des Werkes von Rudolf Steiner schien ihm zu sein, dass das gesamte Schrifttum und seine nach Tausenden zählenden Vorträge allen Menschen zur Verfügung stehen. Daraus ergab sich, dass er zunächst einmal große finanzielle Mittel der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung zur Verfügung stellte, um die Herausgabe des Nachlasses zu unterstützen. 1959 gründete er die Haußerstiftung und verfügte, dass nach seinem Tod der Ertrag seiner Firmenanteile als Stiftungskapital zur Verfügung steht. Auch das Mathematisch-Physikalische Institut in Dornach sowie das Stuttgarter Jugendseminar wurden großzügig unterstützt, eine Tradition, die die Haußerstiftung bis heute weiterführt.

So konnte Konradin Haußer in seiner Weise die Idee des „Kommenden Tags“ aus eigener Kraft und mit seinen durch Fleiß und großer Sparsamkeit erwirtschafteten Mitteln verwirklichen.

Helga Heidorn


Werke: Beiträge in MaB.
Literatur: Lang, K.: Konradin Haußer zum 80. Geburtstag, Stuttgart 1963; Debus, E.: 10 Jahre „Haußer-Stiftung“ 1959–1969, in: MaD 1969, Nr. 90; Lippold, E.: Konradin Hausser zum Gedächtnis, in: MaB 1974, Nr. 56; Debus, E.: Konradin Hausser, in: MaD 1974, Nr. 107; Schöffler 1987; Lindenberg, Chronik 1988.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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