Margarethe Hauschka-Stavenhagen
Hauschka-Stavenhagen, Margarethe
geb.: Stavenhagen

Ärztin.

*06.08.1896 Hamburg (Deutschland)
†07.07.1980 Boll (Deutschland)



Margarethe Hauschka-Stavenhagen arbeitete mit Ita Wegman die Grundlagen der Rhythmischen Massage weiter aus. Später wurden sie im Hinblick auf Krankheitsprozesse erforscht und erweitert. Sie entwickelte, praktizierte und lehrte künstlerische Therapie. Margarethe Stavenhagen wurde am 6. August 1896 als zweites von drei Kindern in einer Kaufmannsfamilie in Hamburg geboren. Die Mutter stammte aus einer bayerischen Arztfamilie und hatte eine Gesangsausbildung absolviert. Beide Eltern waren künstlerisch veranlagt, pflegten die Musik und gaben kleinere Konzerte – Margarethes spätere Tätigkeiten als Ärztin, als Therapeutin, Lehrerin oder Vortragende waren stark von einem künstlerischen Element geprägt. Als Kind sagte sie, dass sie Arzt werden wolle. Sie hatte die Möglichkeit, eine Pianistenlaufbahn einzuschlagen, aber sie blieb ihrem Vorsatz treu. Mit 13 Jahren las sie ihr erstes anthroposophisches Buch – die Eltern hatten schon früh durch die Malerin Anna May, Schwester der Mutter, eine Verbindung zur Anthroposophie und übernahmen von Bernhard Hubo die Leitung des Christian-Rosenkreuz-Zweiges in Hamburg. Im elterlichen Hause fanden Eurythmiestunden für Erwachsene und Kinder statt, Margarethe durfte an beiden Gruppen teilnehmen. 16-jährig erhielt sie von Rudolf Steiner die Erlaubnis, das Mysteriendrama „Der Hüter der Schwelle“ in München zu sehen.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges nahm sie an einen Schwesternhelferinnenkurs und danach auch an Einsätzen teil. Im Herbst 1915 begann ihr Medizinstudium in München, sie erlebte dort Professor Sauerbruch und studierte gleichzeitig Kunstgeschichte bei Heinrich Wölfflin. Im Frühjahr 1921 machte sie das Staatsexamen. Durch Einladung von Hans Wohlbold konnte sie 1920 das erste Goetheanum kennen lernen, dessen lebendigen Farbenfluten zu den verschiedensten Tageszeiten ihr zeitlebens in Erinnerung blieben. Nach ihrer Promotion 1922 absolvierte sie ihr Medizinal-Praktikum an der Poliklinik in München, anschließend arbeitete sie als Assistenzärztin in Bad Kreuth. In dem Sanatorium mit einer großen Allgemeinpraxis wurde sie vielseitig eingesetzt und machte die Hausbesuche mit Pferd und Wagen. In dieser Zeit erlernte sie die schwedische Massage, da die Patienten nur von Ärzten massiert werden durften.

Im Frühjahr 1925 begleitete sie ihren Vater zu Friedrich Husemann nach Günterstal bei Freiburg. Er forderte sie zur Mitarbeit auf, sie müsse aber vorher die Heileurythmie bei Julia Bort (Julia Bort-Pache) in Arlesheim kennen lernen. Als sie im Sommer 1925 zu Husemann zurückkam, hatte sich das Erholungsheim in eine psychiatrische Klinik verwandelt. Neben der ärztlichen Tätigkeit arbeitete sie mit der Heileurythmie, malte und plastizierte mit den Patienten. In Rücksprache mit Friedrich Husemann erforschte sie die therapeutische Wirkung der verschiedenen Platonischen Körper – eine Therapie entstand, die bis heute in der Husemann-Klinik angewendet wird.

Mit diesen Erfahrungen führte sie der Weg im Herbst 1927 zu Ita Wegman nach Arlesheim. Sie wurde zunächst nach Figino geschickt, um dort die Dependance während des Erweiterungsbaus der Arlesheimer Klinik zu führen. Dort erlebte sie Margarita Woloschin als Patientin und führte viele Gespräche mit ihr über Malerei und Angaben Rudolf Steiners. Ita Wegman hatte ihr zwei Aufgaben gestellt: mit ihr zusammen die Grundformen für die Rhythmische Massage weiter auszuarbeiten und die bildenden Künste im Hinblick auf eine gezielte Therapie zu erforschen und entsprechende Kunsttherapien zu entwickeln. Neben ihrer vielseitigen Tätigkeit als Ärztin und als Lehrerin an der Schwesternschule der Arlesheimer Klinik begann die engere Zusammenarbeit mit Ita Wegman 1929. In diesem Jahr lernte sie Rudolf Hauschka kennen, der zum Aufbau der Heilmittelforschung und -herstellung nach Arlesheim kam. Die Jahre bis 1940 waren für sie die inhaltsreichsten ihres Lebens, in denen sie die Grundlagen einer geisteswissenschaftlichen Heilkunst durch Ita Wegman aufnehmen konnte. Bald übertrug Wegman ihr den Unterricht der Rhythmischen Massage und der Hydrotherapie, insbesondere der Bewegungsbäder.

Durch die Kriegsereignisse musste die Arlesheimer Klinik im Mai 1940 wegen der Grenznähe zu Deutschland evakuiert werden. Sie übernahm mit Rudolf Hauschka die Leitung der Dependance in Gnadenwald bei Innsbruck, da Norbert Glas emigrieren musste. Im Juli 1941 wurde die Klinik von der Gestapo geschlossen, es folgten eine kurze Gefängniszeit und anschließend ein Berufsverbot. Sie ging mit Rudolf Hauschka nach Wien, wo sie heirateten.

1943 erhielt sie die Erlaubnis, in dem Homöopathischen Krankenhaus in Höllriegelskreuth bei München als Stationsärztin zu arbeiten. Nach Kriegsende wurde ihr die Leitung übertragen. Es begann eine rege Tätigkeit neben der Krankenhausleitung mit Kursen in Rhythmischer Massage, Bädertherapie und künstlerischen Therapieformen sowie der Einführung ärztlicher Kollegen in eine anthroposophisch erweiterte Medizin. Nach einigen Jahren regte sich in dem Homöopathischen Trägerverein der Klinik Widerstand gegen diese Tätigkeiten und das Wirken von Rudolf Hauschka in der Arzneimittelherstellung.

Margarethe und Rudolf Hauschka zogen 1950 in das schwäbische Eckwälden, wo sie noch einmal neu begannen. Sie gab Unterricht in dem von Franz Michael Geraths gegründeten Seminar, wirkte in der heilpädagogischen Bewegung, hielt Vorträge und Kurse im In- und Ausland und war als Wala-Ärztin tätig. Mit Eberhard Schickler gründete sie die anthroposophische Ärztegruppe in Deutschland und richtete mit ihm und Walther Bühler die Heilberufetagung in Stuttgart ein.

Die Ausbildungskurse der künstlerischen Therapie fanden in Eckwälden statt, für ihre immer mehr gefragte Ausbildungstätigkeit in Rhythmischer Massage mussten außerhalb Räume gemietet werden. Ein wesentlicher Zweig für beide Therapien entwickelte sich im Zusammenhang mit einem von zwei Künstlerinnen gegründeten Belegkrankenhaus in Scheveningen bei Den Haag. Dort begegnete sie Willem Zeylmans van Emmichoven, es kam zum Gedankenaustausch über Farben und Malerei und bald entwickelte sich eine tiefe Freundschaft.

Ihre Schülerzahl in Eckwälden wuchs beträchtlich, sodass die Ausbildung und Praxis in ständig wechselnden, gemieteten Räumen unmöglich wurde. Mit Irmgard Marbach gründete sie eine Schule, die 1962 in einem eigenen Haus in Bad Boll eingeweiht wurde – endlich konnten die Kurse pädagogisch auf- und ausgebaut, inhaltlich erweitert und vertieft werden. Jetzt zog sich Margarethe Hauschka nach und nach aus ihrer Kurstätigkeit in Holland und der Wala-Arbeit zurück, um sich ganz den Aufgaben der Schule zu widmen. Bis einige Tage vor ihrem Lebensende am 7. Juli 1980 unterrichtete sie den Ausbildungslehrgang für Künstlerische Therapie.

Irmgard Marbach


Werke: Zur künstlerischen Therapie, Bd. I/II, Boll 1971/1978, ³1988;
Rhythmische Massage nach Dr. Ita Wegman, Boll 1972, ²1978; Eine
malerische Atemübung, [Boll] o. J.; Künstlerische Therapie, Bad Liebenzell
1982; Beiträge in Sammelwerken; Übersetzungen ins Englische, Französische,
Portugiesische und Niederländische erschienen; Beiträge in BeH, EK, MfK, Na
und in den Wala-Mitteilungen.
Literatur: Hagemann, E.: Bibliographie der Arbeiten der Schüler Dr. Steiners,
o. O. 1970; Behre, I.: Dr. med. Margarethe Hauschka-Stavenhagen, in: IWF
1980, Nr. Michaeli; Klett, H.: Dr. med. Margarethe Hauschka, in: N 1980, Nr.
35; Deventer, M. P. van: Ein Leben für die „Künstlerische Therapie“, in: N
1980, Nr. 39, auch in Selg, P. [Hrsg.]: Anthroposophische Ärzte, Dornach
2000; Fiechter, S. C.: Margarethe Hauschka-Stavenhagen, in: MaD 1980, Nr.
134; Titze, O.: Nachruf für Frau Dr. Margarethe Hauschka, in: BeH 1980, Nr.
6; Marbach, I.: Margarethe Hauschka-Stavenhagen, ein Pionier, in: Stl
1980/81, Nr. 4; Métrailler, E.: Zur Maltherapie. Ita Wegmans
Zusammenarbeit mit Margarethe Hauschka u. Liane Collot d’Herbois, in:
BeH 1990, Nr. 5; Hassauer, W.: 30-jähriges Bestehen der Margarethe
Hauschka-Schule in Boll, in: N 1992, Nr. 23; Marbach, I.: Margarethe
Hauschka. Ein Lebensbild, Boll 1995; dies.: Margarethe Hauschka-
Ausstellung zum 100. Geburtstag, in: N 1995/96, Nr. 37/38.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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