Emil Grosheintz-Laval
Grosheintz-Laval, Emil

Zahnarzt.

*22.02.1867 Paris (Frankreich)
†24.10.1946 Ascona (Schweiz)



Emil Grosheintz fasste im Oktober 1912 bei einem Besuch von Rudolf Steiner auf seinem Landsitz in Dornach mit ihm den Entschluss, das Goetheanum auf dem Dornacher Hügel zu bauen, brachte dabei seinen Grundbesitz ein und organisierte Aufkauf und Schenkung weiter östlich gelegener Parzellen. Mithilfe der Schenkungen von Alfred Gysi, Marie Schieb und Marie Hirter-Weber entstand so das heutige Goetheanum-Gelände. Das von Nelly Grosheintz überlieferte Gespräch sei wegen seines Folgenreichtums wiedergegeben: „Dr. Steiner: ‚Was haben Sie eigentlich vor mit diesem Land zu machen?‘ Dr. Grosheintz: ‚Als ich es kaufte, sagte ich meiner Frau, es wird mir die Zukunft zeigen, warum ich so viel Land kaufen musste.‘ Ich: ‚Ich möchte, dass wir dort ein Landerziehungsheim bauen, wo Kinder in richtiger Art aufwachsen können.‘ Wir wußten um die Münchener Hemmnisse und so antwortete mein Mann: ‚Dornach hat keine Baugesetze – ‘ ‚Und Basel hat ein günstiges theosophisches Karma‘, fügte Dr. Steiner dazu. [...] ‚Nun‘, sagte mein Mann ‚wenn Sie das Land brauchen, ist es ja da‘.“ (Grosheintz-Laval 2001, S. 143)

Er hatte seit 1906, als er den Paracelsus-Zweig in Basel mitbegründete und in dessen Vorstand arbeitete, verantwortungsvolle Aufgaben in der sich entfaltenden anthroposophischen Arbeit. Das „Zeuge-Sein“ der anthroposophischen Beginne im weiten Sinne zieht sich durch seine Biografie. Er nahm 1907 am Münchner Kongress teil und mit seiner Frau, Nelly Grosheintz-Laval, war er am 24. Dezember 1914 Trauzeuge bei der standesamtlichen Trauung von Marie und Rudolf Steiner. Er nahm am 20. September 1913 mit seiner Frau an der Grundsteinlegung des ersten Goetheanum teil. Außerdem war er einer der Teilnehmer des von Rudolf Steiner gehaltenen ersten Medizinischen Kurses (21.3. – 9.4.1920, GA 312). Seine berufliche Tätigkeit – er hatte eine Zahnarztpraxis in Basel – erlaubte es ihm oft, sich Rudolf Steiners Vortragsreisen anzuschließen.

Seine administrativen und organisatorischen Fähigkeiten sowie sein Verantwortungsgefühl und seine Erfahrung kommen in den Ämtern, die er in der sich gesellschaftlich organisierenden anthroposophischen Bewegung innehatte, zum Ausdruck: Ab 1908 arbeitete er im Vorstand der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft und bewirkte dort gegenüber Annie Besant, dass sich die schweizerdeutschen Logen Rudolf Steiners Strömung zugehörig fühlen konnten. 1913 wurde er Vorsitzender des Johannesbauvereins, später des Goetheanum-Bauvereins. 1924/25 war er neben Rudolf Steiner zweiter Vorsitzender des Bauvereins. Ferner war er Gründungsmitglied (12. September 1920) und bis 9. Mai 1943 Erster Vorsitzender des Zweiges am Goetheanum, dann bis zu seinem Tod Ehrenvorsitzender.

1919 zog er mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen Hansi und Pierre in das für ihn von Rudolf Steiner entworfene Haus Duldeck am Fuß des Goetheanum.

Nicht nur die zahlreichen Besuche Rudolf Steiners im Basler Haus von Grosheintz, sondern auch die Aufgaben, mit denen er ihn betraute, legen nahe, dass Rudolf Steiner Grosheintz sehr geschätzt hat. Er habe sich, so Steiner, „aufopferungsvoll der Arbeit gewidmet, die hinter allem stehen muss“.

Solch eine Charakterisierung findet sich auch beim Bruder Oscar Grosheintz, der ihn als zurückhaltenden Helfer mit heiterem Gemüt zeichnet.

Rückblickend sagt Guenther Wachsmuth (1946): „Die Zusammenarbeit mit ihm gehörte zum Wertvollsten und Fruchtbarsten, was man in solchen schwierigen Zusammenhängen und Aufgaben erleben kann.“

Wolfgang Held


Werke: Emil G.: mit anderen: Denkschrift 1925–1935, Dornach 1935, Beitrag
in N.
Nelly G.-L.: Die Feier der Grundsteinlegung zum ersten Goetheanum, in: MaD
1953, Nr. 23, auch in: Beltle, E., Vierl, K. [Hrsg.]: Erinnerungen an Rudolf
Steiner, Stuttgart ²2001; Beiträge in N.
Literatur: Grosheintz, O.: Dem Bruder, in: N 1942, Nr. 8; Wachsmuth, G.: Dr.
Emil Grosheintz, in: N 1946, Nr. 44; Götte, F.: Nelly Grosheintz-Laval, in:
MaD 1955, Nr. 31; Lagutt, J. K.: In memoriam Nelly Grosheintz-Laval, in:
BfA 1955, Nr. 3; Groddeck 1980; GA 286, ³1982; GA 260a mit Beilage,
²1987; Schöffler 1987; Lindenberg, Chronik 1988; GA 259, 1991, GA 260,
5 1994.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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