René Barbotin
Barbotin, René
Pseudonym/Varianten: Rene

Ingenieur, Industrieller.

*11.09.1911 Bordeaux (Frankreich)
†19.02.1997 Chatou (Frankreich)

Die Familie stammt aus der Limousin- und Bordelais-Gegend, mit einem Vater und einem Großvater (mütterlicherseits), die beide Mitglieder der „Compagnons du Devoir“ waren. Seinen Vater lernte René erst im Alter von sieben Jahren kennen, da der 1911 für drei Jahre seine Wehrpflicht erfüllte und dann bis 1918 im Krieg stand.

Er studiert in Bordeaux, im Gymnasium Michel de Montaigne – dieser Schriftsteller wird wichtig für ihn bleiben, ganz besonders für seinen Stoizismus. Mit 18 Jahren tritt er in die Ingenieur- und Baufirma „Forges et Chantiers de la Gironde“ als Entwerfer und Zeichner von Booten ein. Obwohl interessiert und geeignet, möchte er nicht in das Baugeschäft eintreten, das sein Vater nach dem Krieg gründete, denn die Selbstständigkeit ist für ihn das höchste Gut.

Mit etwa 21 Jahren schenkt ihm ein Freund das Buch „Die großen Eingeweihten“ von Edouard Schuré, mit der Widmung: „von einer Seele zu einer Seele“. Es ist die Entdeckung der spirituellen Initiation, dieses Buch begleitet ihn sein ganzes Leben. Er arbeitet mit seinem Onkel sieben Jahre lang und entdeckt besonders die Lohgerberei, die Schuhherstellung, den Handel und alle Aspekte des Verkaufs. Sein Vater stirbt 1938 und er beschließt, Bordeaux zu verlassen, um sich selbstständig in Paris niederzulassen.

1939 wird René für ein Jahr eingezogen und beginnt dann mit immer wechselnden, aber meist erfolgreichen Geschäften in Industrie und Handel – Spinnerei, Konfektion, Angorazucht, Transport von Kunstwerken und vieles mehr. Er nimmt an zahlreichen Initiativen zu Firmengründungen teil.

1943 begegnet er Violette, seiner Lebensgefährtin, und 1948 der Familie Payot, die ihn 1952 in die Anthroposophie einführt.

Damit beginnen 35 Jahre seines großen pädagogischen und sozialen Engagements. 1954 ist der Wendepunkt, die Lebensbegegnung mit außergewöhnlichen Erziehern aus anderen Kulturen und Strömungen, wie Elisabeth von Grunelius, Herbert Hahn, Francis Edmunds oder René Quérido. So entwickelt sich durch die menschlichen Beziehungen in René Barbotin, der stark in seiner Heimat verankert ist, ein kosmopolitisches Element, in dem Anthroposophie die entscheidende Rolle spielt.

Er wird initiativer Mitbegründer von zwei Schulen: 1956 der „Ecole Rudolf Steiner“ in Paris und 1957, mit Albert Payot, Germaine Bon und anderen, der „Ecole Perceval“ in Chatou. Die Schulverwaltung und die wirtschaftlich-organisatorische Arbeit wird seine Haupttätigkeit – gelegentlich wirkt er auch als Werklehrer.

Gleichermaßen nimmt er aktiv teil an zahlreichen anderen pädagogischen, therapeutischen, künstlerischen und sozialen Impulsen, z. B. am Aufbau des Instituts für heilende Erziehung in Chatou, der französischen Eurythmieschule und -bühne, der anthroposophischen Bank, „Nef“, dem pädagogischen Seminar.

Er war in diesem Sinne ein Pionier: Seine Sorge, die Schule in die Gegenwartswelt zu integrieren, und seine harte Arbeit erlaubten der Schule Perceval mit dem Staat Verträge zu schließen, die eine Anerkennung und Finanzierung sicherten, Spenden und Subventionen ermöglichten beim Erwerb von Grundstücken und Bauten, im Abschluss von Assoziationsverträgen mit dem Staat.

Gründen, schaffen, bauen waren seine drei Schlüsselworte, mit denen er die Entfaltung anthroposophischer Initiativen in Frankreich mitgestaltete. Er war ein Willensmensch, der es verstand, seine Begeisterung weiterzugeben.

1995 übernahm er ein letztes Mal eine Aufgabe im Zusammenhang mit dem Ausbau der Schule, die er noch zu Ende führen konnte.

Michel Joseph


Literatur: Thépenier, A., Ablard, J.-P., Floride, A.: René Barbotin, in: BA 1997,
Nr. Mai–Juni, S 31ff




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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