Alf Larsen
Larsen, Alf

Lyriker, Essayist und Redakteur.

*22.07.1885 Hudø (Norwegen)
†12.12.1967 Tjøme (Norwegen)







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Alf Larsen engagierte sich als Dichter und Schriftsteller sowie als Herausgeber für ein freies Geistesleben in Norwegen. Durch die Zeitschrift „Janus“ stellte er die Anthroposophie fruchtbar in das öffentliche Kulturleben Norwegens. Als der Faschismus über Europa kam, trat er zusammen mit ?Johannes Hohlenberg als engagierter Kritiker und Warner auf.

Alf Larsen wurde als Sohn des Schiffskapitäns Adolf Larsen und seiner Frau Kristine, geb. Iversen, am 22. Juli 1885 in Hudø, einer kleinen Insel im Tønsbergfjord, geboren. Mit sechs jüngeren Geschwistern wuchs Alf in bescheidenen Verhältnissen auf. Als der Vater in einer stürmischen Herbstnacht im Meer umkam, hatte die Mutter die ganze Familie allein zu versorgen. Die Inselbewohner ernährten sich damals vorwiegend von der Fischerei, sodass Alf von Kindesbeinen an eng mit der Seefahrt, dem Meer und dem Walfang vertraut war. Als er siebenjährig zur Schule ging, musste er übers Meer zur Schule rudern. Nach der Volksschule verdingte sich Alf als Laufbursche in der nächstliegenden Stadt, Sandefjord, setzte Hummerreusen aus und verkaufte seinen Fang in den vornehmen Häusern der Stadt. Auf diese Weise lernte er eines Tages einen Schiffsreeder kennen, der bald sein Förderer wurde. Alf konnte nun eine höhere Schule besuchen, zog bald aus Norwegen weg und lebte 18 Jahre lang in Dänemark, wo er zunächst in Lyngby die „Grundtvighøjskolen“ und später das jesuitische St. Andreas-Kollegium bei Kopenhagen besuchte und mit dem Abitur abschloss. Inwiefern er von den Patern religiös beeinflusst wurde, ist unbekannt, doch engagierte er sich in diesen Jahren mit großer Leidenschaft in der Politik und vertrat äußerst radikale Ideen. Alf Larsen wurde Mitarbeiter einer anarchistisch-revolutionären Zeitschrift und forderte in seinen Artikeln zum politischen Umsturz auf. Nachdem die Zeitschrift eingegangen war, gründete er mit einem Freund eine neue, die er „Skorpionen“ nannte, doch war dem Blatt ebenfalls keine lange Lebensdauer beschieden.

Nach diesen ersten Erfahrungen im Journalismus wandte sich Larsen der Literatur zu, wobei ihm seine einzigartige Lesekapazität und sein fabelhaftes Gedächtnis besonders zugute kamen. Schon bald entwickelte er sich zu einem wirklichen Kenner der Dichtung sowie des europäischen Geisteslebens überhaupt. Er begann zu schreiben und konnte 1909 einige seiner Gedichte veröffentlichen.

Während eines zweijährigen Studienaufenthaltes in Frankreich konnte Alf Larsen seine literarischen Kenntnisse beträchtlich erweitern. Er lebte sich in die französische Dichtung ein, las Emile Verhaeren, Jean Moréas und vor allem Charles Baudelaire. Spuren dieser Beschäftigung verraten seine ersten Gedichtsammlungen: „Vinterlandet“ 1912, „Indgangen“ 1915 und „Billeder fra den gamle stue“ 1916, herausgegeben in Kristiania und Kopenhagen. Larsens Gedichte aus der Pariser Zeit weisen oft einen pessimistischen Zug auf, sie handeln von Tod und Untergang. Es finden sich jedoch auch sensible Naturschilderungen aus der norwegischen Heimat, die eine besondere Innerlichkeit vermitteln. Die ersten Gedichte fanden bei Kritikern und Dichterkollegen eine positive Aufnahme – Knut Hamsun erwähnte Larsen beispielsweise als einen der drei bedeutendsten norwegischen Dichter der jüngeren Generation (Werring 1977, S. 45). Ebenso anerkennend äußerte sich der bekannte Lyriker Nils Collett Vogt. Er merkte jedoch an, dass es für Larsen, der über solch ein feines Naturempfinden verfüge, nicht ratsam sei, weiterhin auf Dänisch zu schreiben, und empfahl ihm, nach Norwegen zurückzukehren und ein norwegischer Dichter zu werden.

Während der folgenden zwölf Jahre veröffentlichte Larsen allerdings kein neues Gedicht. Das Schweigen kann im Zusammenhang mit dem Debüt des norwegischen Dichters Olav Aukrust im Jahre 1916 gesehen werden. Die Dichtungen Aukrusts machten auf Larsen einen zutiefst erschütternden Eindruck. Er sah sein junges Werk im Lichte dieses Dichtergenius verblassen. Aukrust hatte seinem Empfinden nach einen dichterischen Maßstab gesetzt, der ihn aufforderte mit seinen eigenen Arbeiten inhaltlich und sprachlich zu einer vergleichbaren Kraft und Echtheit durchzustoßen.

Die Zeit des Schweigens brachte eine Reihe entscheidender biografischer Ereignisse mit sich. Wenige Jahre später siedelte Alf Larsen nach Norwegen über und lebte ab 1921 auf der Insel Tjøme, nicht weit von seinem Heimatort Hudø entfernt. Dort konnte er mit der finanziellen Hilfe seiner dänischen Frau, Astrid Blicher-Hansen, das herrschaftliche Gut Rød erwerben. In seiner dicht am Meeresufer gelegenen Wohnung fand er nach langem Suchen ein Stück Heimat. Ein weiteres Ereignis trug zu seiner Lebenswende bei: die Begegnung mit Rudolf Steiners Werk „Die Geheimwissenschaft im Umriss“. Er hatte zwar schon früher Steiners „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“ gelesen, war aber davon nicht sonderlich berührt worden. Die Geheimwissenschaft traf ihn jedoch wie ein Blitzschlag.

Larsen blieb seit diesem Moment ein begeisterter Schüler Steiners, der keine Gelegenheit versäumte, für seine anthroposophische Anschauung privat oder öffentlich einzutreten. Auch sein literarisches Schaffen blühte erneut auf. Er publizierte innerhalb weniger Jahre drei Gedichtbände, „I vindens sus“ (Oslo 1927), „Med vår under vingen“ (Oslo 1928) und „Jordens drøm“ (Oslo 1930). Ohne das Geringste an Echtheit oder Realismus einzubüßen, waren seine Gedichte nun von der Schwere und düsteren Aussichtslosigkeit der früheren Jahre befreit. Die äußeren Erscheinungen der Welt – der vom Wasser rund und glatt geschliffene Stein am Strand, der salzige Schlehendorn, die Drossel im Vogelbeerbaum, Wind und Welle – wurden durch den poetischen Blick des Dichters so durchleuchtet, dass man sich ihrem geistigen Gehalt, ihren Urbildern nahe fühlte und ahnte, was Paulus mit seinen Worten über die Erlösung aller Schöpfung gemeint hatte. Die neueren Dichtungen Larsens standen jedoch im Gegensatz zum herrschenden literarischen Zeitgeist. Die Öffentlichkeit nahm deshalb kaum Notiz von ihnen.

Alf Larsen wollte neben seiner Lyrik zu den Zeiterscheinungen Stellung beziehen und gründete 1933 mit der Hilfe seines Freundes Johannes Hohlenberg die Kulturzeitschrift „Janus“. Als weitere Mitarbeiter wurden u. a. ?Ernst Sörensen, ?Dan Lindholm und der begabte Neffe des Redakteurs, Aasmund Brynildsen, gewonnen. Mit „Janus“ wollte man im öffentlichen Kulturleben bewusst eine spirituelle Position vertreten und gegen die materialistischen und positivistischen Strömungen der damaligen Zeit Front machen. Recht bald konnte sich die Zeitung als ein offenes Kulturorgan, in dem verschiedene Richtungen zu Worte kamen, etablieren. Larsen bekannte offen, dass das Neue und Bedeutungsvolle der Zeitschrift „Janus“ auf der Anthroposophie Rudolf Steiners beruhe. Doch war ihm andererseits auch daran gelegen, dass die Anthroposophie nicht als ein sektiererisches Anliegen, sondern als ein Kulturimpuls in Erscheinung trat.

Zu Beginn der 30er-Jahre war die nahende politische Katastrophe in Europa abzusehen. Die Zeitschrift „Janus“ nahm dazu unmissverständlich Stellung und stand in klarer Opposition gegen die roten, braunen und schwarzen Diktaturen. Außer Stellungnahmen zu politischen und zeitkritischen Fragen brachte „Janus“ Essays über Literatur, Kunst und Wissenschaft. „De store dødsdiktere“, „Havets herre“, „Det norske“, „Njåls saga“ oder „I Leviatans buk“ – um nur einige wenige dieser Essays zu erwähnen – zeugen von Alf Larsens Meisterschaft in der Prosa. Eine Auswahl wurde nach dem Krieg unter dem Namen „Den kongelige kunst“ (Oslo 1948) herausgegeben und zählt zu den bedeutendsten norwegischen Essaysammlungen überhaupt. Die große Tradition, an die Larsen in seinen Essays anknüpfte, waren Meister Eckehart, Pascal, Goethe und Dostojevskij.

Durch die deutsche Besetzung im Jahre 1940 wurde das Pressewesen einer Zensur unterzogen, die „Janus“ beträchtlich einschränkte und Larsen dazu zwang, seine Zeitschrift 1941 aufzugeben. Für seine Kompromissbereitschaft, durch die er ein Jahr lang versuchte, „Janus“ weiterzuführen, wurde Larsen nach dem Krieg deutlich kritisiert, man stempelte ihn als „gestreift“ ab. Zudem ignorierte die Kritik seine wunderbare Gedichtsammlung „I Jordens lys“ (Oslo 1946).

Neben seiner Schriftsteller- und Herausgebertätigkeit wirkte Alf Larsen viele Jahre auch als Lektor. Nach einer Zeit im Gyldendal Verlag, der in Dänemark ansässig war, setzte er sich intensiv für die Gründung des norwegischen Verlags Gyldendal ein, später stellte ihn der Verlag Aschehoug an. Trotz seiner Strenge und Kompromisslosigkeit im Hinblick auf inhaltliche und stilistische Fragen konnte Larsen junge Talente hingebungsvoll fördern. In diesem Sinne war er für viele junge Autoren Geburtshelfer. Der bedeutende Lyriker Emil Boyson sei als nur ein Beispiel erwähnt.

Im Jahre 1941, noch während des Krieges, gründete Larsen den Dreyers Forlag, der besonders für seine schönen Kunstbücher und auserlesenen Dichterwerke bekannt wurde. In diesem Verlag wirkte er bis zu seinem Tode beratend mit.

Bis ins hohe Alter war Larsen als Zeitkritiker tätig, seine Artikel fielen durch eine besonders scharfe Polemik auf. Seit 1960 erhielt er Anerkennung und staatliche Stipendien für seine Arbeit und gewann ein Jahr später den Dobloug-Literaturpreis. Er starb 1967 auf seinem Gut in Tjøme.

Terje Christensen


Werke: Vinterlandet (L), København 1912; Indgangen (L), København 1915;
Billeder fra den gamle stue (L), København 1916; Digte, København 1919; I
vindens sus (L), Oslo 1927; Med vår under vingen (L), Oslo 1928; Jordens
drøm (L), Oslo 1930; I jordens lys, Oslo 1946; Den kongelige kunst, Oslo
1948; Stemninger ved Okeanos bredder, Oslo 1949; Ved Johannes V. Jensens
død. Et tidsoppgjør. Essay, København 1951; Nattetanker, Oslo 1951; Olav
Sletto. Soga um Røgnaldfolket. En anmeldelse. Essay, Oslo 1951; Høsthav,
Oslo 1958; En tangkrans, Oslo 1959; I kunstens tjeneste. Essays, Oslo
1964; Den jordiske vandringsmann, Oslo 1968; Siste strofer, Oslo 1969;
Als Redakteur: Janus, 1933–1941; Beiträge in Farmand, Js, L, Morgenbladet,
Msch, V.
Literatur: Krokann, I.: Lyrikaren Alf Larsen. Syn og Segn, Oslo 1932;
Wærenskjold, L.: Vom Stand der anthroposophischen Bewegung in
Norwegen und der Arbeit dort, in: N 1937, Nr. 46; Norsk biografisk
leksikon, Bd. 8, Oslo 1938; Stolpe, S.: Alf Larsen, in: Änglar och demoner,
Stockholm 1948; Reiss-Andersen, G.: Dikteren Alf Larsen, in: Samtiden
1957, Nr. 5; Aarnes, A.: Alf Larsen, in: Det poetiske fenomen, Oslo 1963;
Werring, H.: Alf Larsen. En dikters livsløp, Oslo 1977; Lindholm; D.: Alf
Larsen og „Janus“-tiden i norsk åndsliv, Brodersen, K.: En siste hilsen af
Alf Larsen, Wærenskjold,L.: En dag i Alf Larsens rike, von der Lippe, B.:
Noen minnestreif om Alf Larsen, Wærenskjold, L.: På visdommens terskel,
Reiss-Andersen, G. et al.: Ord om Alf Larsens diktning, in: L 1985, Nr. 3;
Deimann 1987; Christensen, T.: Med penn mot Leviatan, in: L 1990, Nr. 4.




Abkürzungen: siehe www.kulturimpuls.org

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